IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon
26. Januar | 19:00 | Erich Hörl (Bochum)
„Ergologische Variationen. Über Arbeit, Wunsch und Technik“
»Die Entrücktheit in die Dinge«, so formulierte es Heidegger 1934, »gehört zu unserer Verfassung.« Zumindest in den Jahren seiner Rektoratsphilosophie hatte Heidegger ein ganz klares Bild davon, was Entrücktheit heißt. Als zentrale Bestimmung dieser ursprünglichen Aussetzung ins Reich der Dinge wurde nicht etwa die Technik, sondern die Arbeit angesehen. Arbeit war gleichsam der Name für ekstatischen Weltbezug.
Heideggers »Ergontologie«, wie Werner Hamacher sie nennt, hat als Symptom und Zuspitzung einer langen Tradition der Auslegung von Exteriorität zu gelten. Das technische Objekt und die Frage der Technizität wurden dabei insgesamt dem Paradigma der Arbeit unterstellt und darin, das lässt sich mit Simondon und Stiegler zeigen, verneint und verdrängt.
Die objektgeschichtlichen Veränderungen, die spätestens seit 1950 nicht nur eine Kybernetisierung der Lebensform, sondern auch ein neues Bild von Technik erscheinen lassen, erschüttern die langdauernde Primordialität der Arbeitsbeziehung zur Welt, die die Objektbeziehungen überhaupt, die Bestimmung von Exteriorität und schließlich auch das, was Begehren heißt, prägt.
Die Vorlesung verhandelt ergologische Positionen hauptsächlich des 20. Jahrhunderts, entwickelt die Grundzüge der ergontologischen Verfassung und markiert begriffspolitisch brisante Punkte ihrer Überschreitung, vom Denken der Entwerkung bis hin zur Reformulierung des Sinns von Aktivität. Die Neubestimmung des Verhältnisses von Arbeit, Wunsch und Technik ist als essentieller Bestandteil dessen zu begreifen, was man mit Félix Guattari die zeitgenössische ökosophische Herausforderung nennen kann.