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IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon

08. Dezember |  19:00   |  Thomas Hauschild (Halle)

„’Santa Claus’ und ‘Weißer Alter’: Medien, Rituale und Tauschbeziehungen in Alt-Eurasien und in der Postmoderne.«


Die globalisierte Figur des »Weihnachtsmanns« (Santa Claus) durchdringt als Ornament, als harmlose Ritualistik, als Accessoire und als untergründige Erzählung die postmoderne Medienwelt. Es handelt sich um den ungewöhnlichen Fall einer Religion, deren Anhänger zum größten Teil nicht an ihren Gott glauben – abgesehen eben von den Kindern.

Mit meiner Studie will ich dazu beitragen, die Genealogie dieser Figur wieder in Erinnerung zu bringen, nachdem sogar ihre offensichtlichsten Quellen im christlichen Nikolauskult bereits vielen Laien nicht mehr bewusst sind. Zugleich möchte ich die Genealogie so ausweiten, dass das Fest in Zukunft auch für Nichtchristen als potentieller Teil ihres kulturellen Erbes erscheinen kann – nachdem sie ohnehin von der kapitalistischen Warenkultur dauernd mit Santa Claus in Berührung gebracht werden.

Hinter der biederen Figur des Weihnachtsmannes zeichnet sich ein buddhistisch-indoarisch-turkomongolischer Synkretismus ab, der für Westler schwer wahrnehmbar ist, in Asien aber weithin bekannt. Ich möchte dieses Skotom (Georges Devereux) des westlichen populären aber auch gelehrten Denkens ins Unerträgliche steigern, indem ich Optionen der europäischen und der asiatischen Philosophie einbeziehe, insbesondere Nietzsches Zarathustralegende (»Ich will mich verschenken«) und Zhuangzis daoistische Auseinandersetzung mit den Dialektiken der Askese des Rückzugs vom Familienleben, von der Welt. Dadurch werden therapeutische Traditionen aus dem Besitz einzelner Kulturen gelöst und die universalen Quellen von medialen Synkretismen aufgedeckt: Die Sorge um sich, die Sorge um die zukünftigen Generationen und die Existenz von Tauschbeziehungen, die sich nicht ohne Weiteres im Begriff performativer Geltungsansprüche und anderer Egoismen rahmen lassen.
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