IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon
24. November | 19:00 | Martin Schulz (Karlsruhe)
„Bilderstreit nach der Moderne. Sind Bilder Zeichen oder nur Objekte?“
Wann hört ein Bild auf, ein Bild zu sein? Und wann zeigt es sich nur mehr als bloßes Objekt, das allenfalls noch Auskunft über seine Gemachtheit gibt? Wann repräsentiert sich etwa die Malerei in ihrer reinsten medialen (und künstlerischen) Form? Und wann unterscheidet sie sich nicht mehr von den Dingen des Alltags?
Auf diesen sehr schmalen Grat gerät die Malerei als Medium immer dann, wenn nicht nur ihre Bedingungen innerhalb eines vorgegeben Rahmens auf einen Nullpunkt reduziert werden; sondern mehr noch dann, wenn ihr Rahmen aufgebrochen wird und sie sich in eine begehbare Installation verwandelt. Über diese ästhetische Schwelle und ihre nicht zuletzt mediale Grenze ist vor allem in den 1960er Jahren ein regelrechter Bilderstreit entstanden, der schließlich ein nachhaltiger Streit darüber wurde, was denn noch die ästhetischen Kriterien für eine Gegenwartskunst sein können, die sich jenseits oder vielmehr zwischen ihren angestammten medialen Rahmenbedingungen neu und frei entfaltet. Kunstkritik wie Kunsttheorie reagieren darauf stets in polarisierender Weise: Für die einen ist dies eine notwendig ikonoklastische Aufklärung über den medialen Status der bildnerischen Illusion; für die anderen indessen nur ein freier Fall in die Beliebigkeit der künstlerischen Zeichen.
Eine These des Vortrags wird jedoch sein, dass selbst die radikalste unter der minimalistischen Kunst nie gänzlich in ihrer medialen Selbstreferenz aufgeht. Vielmehr bleiben ein ästhetischer Mehrwert und eine offene wie daher vieldeutige Referenz, die vor allem in der individuellen Erfahrung ihrer BetrachterInnen als Agent aktiv wird.