IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon
23. Juni | 19:00 | Erich Hörl (Bochum)
»Die künstliche Intelligenz des Sinns.« Über Jean-Luc Nancys ontotechnologisches Schöpfungsdenken.
Daß nicht nur der Sinn eine Geschichte hat, sondern auch der Sinn des Sinns der Geschichtlichkeit unterliegt, das ist eine der grundlegenden Einsichten Jean-Luc Nancys. Der Vortrag fragt im Detail nach der technologischen Bedingung von Nancys sinngeschichtlichem Entwurf, der insgesamt das Ende des Zeitalters der Bedeutung und die Heraufkunft des Sinns als »Gefüge«, »Zusammensein« und »Schöpfung« beschreibt. Gegen diverse Bekundungen der Technik- und Medienvergessenheit von Nancys Koexistenzialontologie wird zu zeigen sein, wie gerade die technische Frage dieses Denken durchzieht , vom Denken der Gemeinschaft, des Politischen und der Künste bis hin zu den jüngeren Arbeiten zur Dekonstruktion des Christentums, und dessen begriffspolitische Grundsatzentscheidungen bestimmt – z.B. für das Offene, das Exteriore, die ursprüngliche Desorientierung, die Grundlosigkeit, den Entwurf. Technik wird von Nancy selbst sogar als der zentrale sinngeschichtliche Akteur in Anschlag gebracht. Darin liegt die ganze Brisanz und Zeitgenossenschaft dieses philosophischen Werks. Sichtbar werden sollen insgesamt die Konturen einer allgemeinen Ontotechnologie, wie sie eine alles Technisch-Mediale immer schon minorisierende und reduzierende Ontologie beerbt. Weltbildung und das Erscheinen von Welt zeigen sich hier in ihrer originären Technizität. Insbesondere wird das konzeptuelle Schlüsselmoment von Ontotechnologie, ein radikales Schöpfungsdenken, zu entwickeln sein. Schließlich gilt es Nancys Ontotechnologie in den philosophisch-politischen Zusammenhang der dekonstruktiven Reevaluierung von Medien und Techniken zu rücken (Derrida, Stiegler), um danach zu fragen, ob dieses der gegenwärtigen und zukünftigen technisch-medialen Situation überbordender technologischer Objektströme angemessen ist oder dadurch vielleicht gerade an seine Grenzen gerät.