IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon
09. Juni | 19:00 | Hartmut Böhme (Berlin)
Trompe l’oeil oder das Zeichenparadox
Trompe l’oeil oder das Zeichenparadox: Seit der Antike gibt es malerische und literarische Zeugnisse dafür, dass es das Ziel der Kunst sei, die Nachahmung so weit zu treiben, dass das Auge den gemalten für den materiellen Gegenstand nimmt. Die Hand, auf die Erfassung der materiellen Entitäten spezialisiert, überführt das Auge der Täuschung. Im Trompe l'œil geht es zugleich um eine perfekte Augentäuschung und deren Desillusionierung, durch welche der virtuose Charakter des Gemalten erst recht betont wird. Dieser Doppeleffekt charakterisiert das »paradoxe Bild«. Diese antike Tradition wird über die Renaissance und die artful science bis in die Moderne vorgestellt und daran die semiotische und performative Kraft der Bilder, nämlich ihre Lebendigkeitssuggestion zu untersuchen. Doch gilt auch der Vers von R.M. Rilke: »Aber Lebendige machen / alle den Fehler, dass sie zu stark unterscheiden.« Unterscheiden zu wollen und nicht unterscheiden zu können macht die paradoxale Form der Bilder aus.