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Sequenzgespräch | Studio 1, Steubenstr. 6a

19. Januar |  19:00   |  Friedrich Balke (Weimar)

»Rhythmus und Montage der Revolution« Zu Jean Renoirs „La Marseillaise“



Roland Barthes hat in seiner posthum veröffentlichen Vorlesung am Collège de France unter dem Titel Comment vivre ensemble (1976-1977) den Rhythmus, also eine Kategorie, die für die Beschreibung musikalischer Strukturen reserviert zu sein scheint, als einen kultur- und gesellschaftstheoretischen Fundamentalbegriff profiliert. Mein Vortrag überprüft die Leistungsfähigkeit dieses Begriffs am Beispiel von Jean Renoirs La Marseillaise (1938) und zeigt, dass die Kopplung zwischen dem Schlachtlied und der Revolution bei Renoir über eine emblematische Beziehung hinausgeht, wie sie der späteren Institutionalisierung des Liedes als französische Nationalhymne zu Grunde liegt. Die Marseillaise steht nicht einfach ‚symbolisch‘ für die Nation in Waffen, in ihr verdichtet sich vielmehr das zentrale Problem jeder Revolution, den von der alten Macht auferlegten sozialen Rhythmus außer Kraft zu setzen und an seine Stelle einen neuen Rhythmus zu erfinden, dessen individuelle wie kollektive Einübung Renoirs Film in einer Serie von Szenen vorführt, in denen sich der „Fall der Monarchie“, so der Untertitel des Films, manifestiert. Der so verstandene Rhythmus bezeichnet die Art und Weise, wie sich das Subjekt in den neuen Code fügt bzw. welche Widerstände, Reibungen und Verzögerungen diese Einfügung, die die Form einer Einübung in neue Formen der körperlichen Haltung und Bewegung annimmt, auf Seiten des Subjekts bewirkt.


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