IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon
16. November | 19:00 | Friedrich Balke (Weimar)
»Topophilie. Techniken der Lokalisierung und Dynamiken der Delokalisierung bei Bachelard und Kafka«
Ausgangspunkt dieses Vortrags ist ein Zwiespalt zwischen Epistemologie und Poetik im Werk Gaston Bachelards. Während der Epistemologe die vollständige Loslösung von jeder physikalischen Lokalisierbarkeit der Objekte bewundert und im mikrophysikalischen Bereich nur mehr die Möglichkeit statistischer Individuation und »beliebiger Räume« mit ihren okkasionellen Relationen zulässt, ist die Poetik des Raums von der Vorstellung und dem kulturellen Bilderreservoir stabiler Räume und umhegter Orte besessen. Der Vortrag versucht zum einen, im Ausgang von rechtsgeschichtlichen und soziologischen Beschreibungen, den ursprünglich sakralen Wert des Hauses als Inbegriff des umhegten bzw. lokalisierten Raums und die in ihm gründenden Herrschaftswirkungen zu beschreiben, um der Bildemphase Bachelards ein Fundament zu geben; zum anderen wird der Vortrag am Beispiel der Raumpoetik Franz Kafkas und ihrer filmischen Transpositionen (Orson Welles) eine Analyse des funktionalen Werts der Zimmer, Türen, Schwellen usw. vornehmen, die das topische Raster der erzählten Geschichten und der von ihnen entworfenen Nicht-Orte abgeben.