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IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon

02. November |  19:00   |  Thomas Y. Levin (Princeton, NJ)

»Datamoshing: Zu einer post-photogrammatischen visuellen Syntax«


Nahezu alle Bewegtbilder, denen wir heute begegnen, sind »komprimierte« digitale Videobilder; eine Materialbeschaffenheit, mit der wir uns insbesondere konfrontiert sehen, wenn zum Beispiel die Wiedergabe einer DVD einen Stichprobenfehler aufweist, und wir Zeugen des seltsam schönen Herzumgeisterns (Ghosting) eines Bildes nach dem anderen werden, einem Hervortreten der Pixelierung, das erst die Möglichkeitsbedingung für das ›saubere‹ Erscheinungsbild solcher digitalen Medien darstellt. Seit kurzem ist diese technologische »Fehlfunktion« als ein ausdrucksstarkes Idiom, bekannt als Datamoshing, konkretisiert worden, eine Hacking-Praktik digitaler Videokomprimierungsalgorithmen, welche die sogenannten »Artefakte« der Codec-Manipulation in den Vordergrund stellt, ja sogar zelebriert. Mit dem Vokabular dieser Komprimierungs-»Fehler« -die sowohl in den Bereichen der Avantgarde-Videos (zum Beispiel im Werk von Takeshi Murata) und in populäreren Ausdrucksformen wie dem Videoclip (zum Beispiel Kanye Wests WELCOME TO HEARTBREAK aus dem Jahr 2009) erkennbar sind - wird auch die Lesbarmachung von Unterscheiden und Abweichen zur Debatte gestellt; das, was ich die »prädiktive Ästhetik des abwesenden Bildes« nennen möchte. Als solche stellt sie nichts weniger dar, als eine neue Bildsprache, eine post-photogrammatische visuelle Syntax, deren erste Konturen ich zu umreißen versuchen werde.



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