FELLOW

Manfred Schneider

Fellow von April 2009 bis März 2010
Email: manfred.schneider [at] rub.de
Im Jahre 1971 erhielt Manfred Schneider seinen Dr. phil. in Freiburg mit einer Dissertation über Christian Dietrich Grabbe. Von 1971/72 war er Dozent und von 1972 bis 1979 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Seminar der Universität Freiburg. 1979 habilitierte er im Fach "Neuere deutsche Literaturgeschichte". 1979–81 arbeitete er als Privatdozent an der Universität Freiburg. 1981 wurde er zum Professor für "Neuere deutsche Literaturwissenschaft" am Fachbereich 3 der Universität GH-Essen. Im Jahr 1989 gründete er dort in Zusammenarbeit mit Jürgen Manthey den Zusatzstudiengang "Literaturvermittlung und Medienpraxis" für Postgraduierte. 1994 war er als Gastprofessor an der École Normale Supérieure, rue d'Ulm, in Paris. 1999 wurde er auf die Professur für "Neugermanistik II, Ästhetik und Literarische Medien" an der Ruhr-Universität Bochum berufen.

Forschungsgebiete

Literatur; Ästhetik; Diskurstheorie; Literatur und Recht; Geschichte der Befragung; Medien; Fernsehtheorie; Kulturkritik.

Forschungsprojekte am IKKM



1. Paranoia und politische Gewalt

Zum Abschluss meiner langjährigen Arbeiten zu dem Thema „Paranoia und politische Gewalt“ befasse ich mich mit jugendlichen Attentätern und gewalttätigen Schülern sowie dem spezifischen Weltverhältnis, das diese entwickelt haben. Paranoia ist im Kern eine Interpretation, die auf der Grundlage geringer Datenmengen (Zeichen, Bildern, Texten, Gesten) eine kaum zu erschütternde Gewissheit errichtet. Auch in den Fällen jugendlicher Selbstmordattentäter (es gibt eigentlich nur jugendliche Selbstmordattentäter) lässt sich diese am Ende zerstörerische Gewissheit beobachten. Die Frage, die sich mir dabei stellt, lautet: Sind solche Gewissheit und solches Gewissheitsverlangen eine psychologische Anomalie oder bilden sie den Ausdruck einer bestimmten Bindung an Institutionen, die den Halt in der Welt sicherstellen. Ist die Gewissheit eine mentale Institution?

2. Archiv des Beispiels
Dieses Projekt, das ich mit einer Gruppe von Mitarbeitern entwickelt habe, soll die Kultur des Beispiels und Beispielgebens in den modernen Wissenschaften untersuchen. Seitdem die Wissenschaften neue empirische Felder entdecken und theoretisch wie systematisch erfassen, werden Einzelbeispiele nötig, um abstrakte Gedanken, Thesen zu veranschaulichen oder evident zu machen. Im Unterschied zum Exempel hat das Beispiel einen kontingenten Charakter; es könnte durch ein anderes ersetzt werden. Es gibt daher Sprachen, Stile, Konventionen des Beispielgebens. Einen ersten Schwerpunkt bildet das Beispiel im ästhetischen Diskurs zwischen 1750 und 1850. Um 1750 wird das Beispielgeben zu einer Konvention der Darstellung und Argumentation. Um solche Beispiele zu erfassen, wurde bereits eine elektronische Datenbank eingerichtet, in die kontinuierlich Belege aus einschlägigen Schriften von Alexander Gottlieb Baumgarten bis Friederich Theodor Vischer eingetragen werden. Später sollen weitere Disziplinen hinzukommen, wenn dieses Projekt auf die Grundlage einer finanziellen Förderung gestellt wird. Es geht darum, die Möglichkeiten elektronischer Datenverarbeitung zu nutzen, um die Sprachen des Exemplarischen bei einzelnen Autoren wie auch in bestimmten Epochen zu erforschen. Darüber hinaus sehen wir zahlreichen Möglichkeiten, ein solches Archiv für weitere Forschungsaufgaben zu nutzen.

Homepage

http://www.ruhr-uni-bochum.de/neugermanistik2/Schneider.shtml


Diese Seite empfehlen / Inhalte drucken | Impressum