JUNIOR FELLOW

Marius Böttcher

Cranachstraße 47, 2. OG , Raum 201
Tel.: +49 (0) 3643 – 58 40 25
Email: marius.boettcher [at] uni-weimar.de

Studium der Kunstgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und der Mediengestaltung (BFA) und Medienkultur (Dipl.) an der Bauhaus-Universität Weimar und zu dieser Zeit studentische Hilfskraft von DEFA-Regisseur Günter Reisch, Arbeit an mehreren Filmprojekten und Mitherausgeber des Kinoheft. Bis dato regelmäßige Tätigkeit als freischaffender Kameramann diverser Film- und Fernsehproduktionen. Seit Februar 2010 Stipendiat im Junior-Fellow-Programm »Theorie und Geschichte kinematographischer Objekte« am IKKM.
 
In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich zwischen Stillstand und Störung mit der Revolte der Bilder im DEFA-Film und arbeitet nun über die Baustelle im Film: Vom Träumen und Sterben der Dinge - Baustellen, Ruinen und ihre Bilder im DEFA-Film.


Forschungsinteressen
  • Filmphilosophie
  • Theorie und Geschichte kinematographischer Objekte
  • Ästhetik und Geschichte der DEFA
  • Filmkritik

Forschungsprojekt

Die Baustelle als Ort und Stelle sich überkreuzender Raum- und Zeitschichten lässt sich kinematographisch hier nicht nur neu konstruieren, sondern gerade im Entstehen festhalten. Die filmischen Niemandsländer, Provisorien und Baupläne geben dabei Transformationen vor, die das Entstehen und Zerfallen der Dinge als eine Verfertigung der Unfertigkeiten auf der Leinwand beobachten lassen. Was passiert, wenn die noch nicht fertigen Bauten offen in die Landschaft blicken lassen? Wie verhält sich der Film zu den noch nicht sichtbaren Dingen? Die Noch-Nicht-Orte des Brachlandes zwischen fertigen Bauprojekten und abgemessenen Baustellen, die Präsenz des Virtuellen, das Entstehen eines Prozesses, der in seinem eigentlichen Sinne nur das Verschwinden zum Ziel hat. Die Baustelle wird bestimmt durch Objekte, Apparate und technische Gerätschaften, die sie nicht nur auflösen, sondern ganz und gar beseitigen wollen. 

 

Damit zeigt sich ein Raum, der begrenzt, gestaltet und somit erst in die Präsenz geholt wird - um  dann wiederum in eine neue Sichtbarkeit gesetzt zu werden. Dabei wird aber nicht nur eine Neuorientierung von Innen und Außen, von Sichtbarkeit und Abwesenheit vorgeführt, sondern deutlich näher schiebt sich hier ebenso die Schwelle des Zeitlichen. Dieser Augenblick der Geschichtlichkeit ist es, der sich gerade in der Betrachtung der filmischen Baustellen in das Interesse des Projektes rückt. Denn so zeigen sich die Baustellen der DEFA im Gegensatz zum internationalen Kino der Moderne gerade in diesem Umgang besonders bewusst. Aber was macht es, dass dieser Umgang so offensichtlich anders ist?

 

Die Bruchstellenarbeit, der hier nachgegangen werden soll, befindet sich auf der Spurenlese zwischen eben diesen Bauplänen, Architekturmodellen, Sprengungen, Mauerfragmenten und Ruinen. Es sind diese Architekturreste, die scheinbar einer Historizität widerfahren, die sich im Bild der DEFA als ein Nebeneinander ausbreiten und übereinander schichten, sodass an den Rändern betonierter Baustrukturen, zwischen Neubauten und ruinenhaften Altbaubeständen, es gerade diese amorphen Überlappungen und Lücken sind, die einen anderen Blick auf Zeitlichkeit werfen wollen. Diesem will sich das Projekt sowohl mit einem Blick auf die Baustelle im kinematographischen Allgemeinen sowie als zentrales Motiv der DEFA-Filme im Besonderen genauer widmen.




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