JUNIOR FELLOW
Marius Böttcher
- Filmphilosophie
- Theorie und Geschichte kinematographischer Objekte
- Ästhetik und Geschichte der DEFA
- Filmkritik
Forschungsprojekt
Die Baustelle als Ort und Stelle sich überkreuzender Raum- und Zeitschichten lässt sich kinematographisch hier nicht nur neu konstruieren, sondern gerade im Entstehen festhalten. Die filmischen Niemandsländer, Provisorien und Baupläne geben dabei Transformationen vor, die das Entstehen und Zerfallen der Dinge als eine Verfertigung der Unfertigkeiten auf der Leinwand beobachten lassen. Was passiert, wenn die noch nicht fertigen Bauten offen in die Landschaft blicken lassen? Wie verhält sich der Film zu den noch nicht sichtbaren Dingen? Die Noch-Nicht-Orte des Brachlandes zwischen fertigen Bauprojekten und abgemessenen Baustellen, die Präsenz des Virtuellen, das Entstehen eines Prozesses, der in seinem eigentlichen Sinne nur das Verschwinden zum Ziel hat. Die Baustelle wird bestimmt durch Objekte, Apparate und technische Gerätschaften, die sie nicht nur auflösen, sondern ganz und gar beseitigen wollen.
Damit zeigt sich ein Raum, der begrenzt, gestaltet und somit erst in die Präsenz geholt wird - um dann wiederum in eine neue Sichtbarkeit gesetzt zu werden. Dabei wird aber nicht nur eine Neuorientierung von Innen und Außen, von Sichtbarkeit und Abwesenheit vorgeführt, sondern deutlich näher schiebt sich hier ebenso die Schwelle des Zeitlichen. Dieser Augenblick der Geschichtlichkeit ist es, der sich gerade in der Betrachtung der filmischen Baustellen in das Interesse des Projektes rückt. Denn so zeigen sich die Baustellen der DEFA im Gegensatz zum internationalen Kino der Moderne gerade in diesem Umgang besonders bewusst. Aber was macht es, dass dieser Umgang so offensichtlich anders ist?
Die Bruchstellenarbeit, der hier nachgegangen werden soll, befindet sich auf der Spurenlese zwischen eben diesen Bauplänen, Architekturmodellen, Sprengungen, Mauerfragmenten und Ruinen. Es sind diese Architekturreste, die scheinbar einer Historizität widerfahren, die sich im Bild der DEFA als ein Nebeneinander ausbreiten und übereinander schichten, sodass an den Rändern betonierter Baustrukturen, zwischen Neubauten und ruinenhaften Altbaubeständen, es gerade diese amorphen Überlappungen und Lücken sind, die einen anderen Blick auf Zeitlichkeit werfen wollen. Diesem will sich das Projekt sowohl mit einem Blick auf die Baustelle im kinematographischen Allgemeinen sowie als zentrales Motiv der DEFA-Filme im Besonderen genauer widmen.