JUNIOR-DIREKTORIN

Prof. Dr. Barbara Wittmann

Cranachstraße 47, EG, Raum 006
Tel.: +49 (0) 3643 – 58 40 28
Email: barbara.wittmann [at] uni-weimar.de
Barbara Wittmann, geboren 1971 in Wien, studierte Kunstgeschichte in Wien und Berlin. Promotion 1999 an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zu Édouard Manets Portraitwerk (»Gesichter geben. Édouard Manet und die Poetik des Portraits«). Von 1999 bis 2003 war sie wissenschaftliche Assistentin am Fach Kunstgeschichte der Universität Trier, im Sommersemester 2003 Gastdozentin an der Technischen Universität Istanbul. Von 2003 bis 2005 arbeitete sie als Gastwissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin (gefördert durch ein Stipendium der Gerda Henkel Stiftung und einen Preis des IFK Wien), von Herbst 2005 bis Sommer 2006 als Postdoc-Stipendiatin am Kunsthistorischen Institut in Florenz (Max-Planck-Institut). Während dieser Zeit konzipierte und beantrage sie gemeinsam mit Christoph Hoffmann und Hans-Jörg Rheinberger die institutsübergreifende Forschungsinitiative »Wissen im Entwurf. Zeichnen und Schreiben als Verfahren der Forschung«, in deren Rahmen sie von September 2006 bis Juni 2010 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin tätig war.
 
Seit Juni 2010 ist Barbara Wittmann Juniorprofessorin für Medien des Entwerfens an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar und leitet am IKKM das Research Fellow Programm »Werkzeuge des Entwerfens«.

Forschungsvorhaben am IKKM

Was vom Zeichnen blieb. Fallstudien zum graphischen Entwerfen in der Gegenwart

Am Beispiel von Fallstudien aus dem Bereich der Architektur, des Design, der bildenden Kunst, der Archäologie und der Biologie soll das Fortbestehen des vermeintlich veralteten Mediums Zeichnung untersucht werden. Denn obwohl der graphische Entwurf in den genannten Bereichen deutliche Veränderungen seiner Verfahrensweise erfahren hat, fungiert er weiterhin als Werkzeug der Exkursion in unbekannte Gebiete. Sicherlich wurde seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Sicherung und Analyse von Phänomen, ja sogar die Entwicklung neuer Formen zunehmend von mechanischen und digitalen Medien übernommen. Das – zumindest partielle – Überleben des graphischen Entwurfs erklärt sich aus der Flexibilität und dem vergleichsweise bescheidenen materiellen Aufwand des Zeichnens. Allerdings hat die Konkurrenz mit apparativen Verfahren den Gebrauch von Stift und Papier deutlich modifiziert und eingeschränkt: Die Handzeichnung ging verschiedenste Formen von Medienassemblage mit Digitalkamera, CAD und Bildbearbeitungsprogrammen ein, wobei die Entwicklung von Hybriden wie dem drawing pad auf eine charakteristische Logik der Verschränkung von alten und neuen Medien hinweist.

Im Zentrum des Projekts steht also die Veränderung der internen Logik des Zeichnens durch die Zusammenarbeit mit modernen bildgebenden Techniken. Selbst in Fällen, in denen sich eine große Kontinuität der graphischen Konventionen beobachten lässt, wie beispielsweise im Fall des explorativen Zeichnens am Mikroskop, haben sich die Ausstattung der Labore, die Zurichtung der Präparate und die Objekte des Wissens in den letzten 150 Jahren so radikal verändert, das nicht von einem bloßen Überleben der Handzeichnung, sondern von einer veritablen ›Wiedererfindung‹ des Mediums auszugehen ist. Über die Bestandsaufnahme des graphischen Entwerfens hinaus, zielt das Projekt auf eine Bestimmung des Dispositivs Zeichnung als heterogenes Ensemble von Materialien, Praktiken, Vorrichtungen, Institutionen und schließlich Diskursen, das regelt was zur Anschauung kommen und was gedacht werden kann.


Bedeutungsvolle Kritzelei. Die Kinderzeichnung im psychologischen Experiment, 1880-1950

Die Etablierung der Kinder- und Entwicklungspsychologie um 1900 wurde von Techniken der Beobachtung vollzogen, die die wissenschaftliche Aufmerksamkeit von der Erziehung und Sorge um das Kind abkoppelten. Eine dieser Techniken fanden Psychologen und Psychoanalytiker wie James Mark Baldwin, William Stern, Melanie Klein und Jean Piaget in der Experimentalisierung und Analyse der Kinderzeichnung. Sie wurde dabei zumeist als ein Medium verstanden, das Wahrnehmungen, Begabungen und Konflikte dokumentiert, die das Kind selbst (noch) nicht sprachlich artikulieren kann. Mehr noch als das Spiel und die Phantasie- und Lügengeschichten sollte die Zeichnung Auskunft geben über Intelligenz und Raumwahrnehmung, über psychische Disposition und psychoanalytische Ätiologie, über soziale Integration und Handlungsfähigkeit der Kinder.

Am Beispiel dieser wissenschaftlichen Praxis stellt sich die Frage nach der Konturierung des Begriffs papertool (Ursula Klein) in besonderer Schärfe: Zum einen, weil sich die Kinderzeichnung als ›psychographisches‹ Instrument nicht auf die Logik des Zeichenvorgangs reduzieren lässt – auch wenn der graphische Eigenwille des Kindes im Experiment oder Test nur allzu deutlich sichtbar wird. Das Papierinstrument konstituiert sich in diesem Fall im Zusammenspiel/im Konflikt der Aktivität des Kindes, der medialen Bedingungen der Zeichnung und externen Faktoren wie dem experimentellen Setting, den Spielregeln des Tests, flankierenden Maßnahmen wie statistischer Auswertung oder auch der Modellierung der zeichnenden Hand nach der Logik anderer Apparate wie beispielsweise den Kurvenschreibern der méthode graphique. Zum anderen ermöglicht dieser Spezialfall die Entwicklung eines Begriffs von der Instrumentalität des Zeichnens, der weder den Prozess dem Produkt opfert, noch umgekehrt das Ergebnis dem Procedere, denn es gehört zur spezifischen Verfahrenslogik der Zeichnungsexperimente, -tests und -therapien, dass das Zeichnen sowohl als Geste als auch als Datum – und insbesondere in der Deutung des einen durch das andere – Signifikanz gewinnt, ja darin die zentrale epistemologische Relevanz der ›Psychographismen‹ zu vermuten ist.

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