Audiovision und Synchronisation
Sehen, Hören und Gleichzeitigkeit im Tonfilm 

Promotionsprojekt Jan Philip Müller

Tonfilm ist nicht nur eine Ergänzung in der Kinogeschichte. Das Auftreten des Tonfilms ist Anlass eines weitreichenden Diskurses über das Verhältnis von Sehen und Hören; was Audiovision eigentlich sei, sein könnte und sollte. Und noch allgemeiner könnte davon gesprochen werden, dass Tonfilm eins der ersten großen Projekte der Konvergenz technischer Medien ist, die heute – vielleicht besonders angesichts des Computers – als zentraler Aspekt von Mediengeschichte erscheint. Es ließen sich also andere Linien als die einer Steigerung der Realitätsnähe durch Zugabe von Ton zum bewegten Bild ziehen, die das Aufkommen des Tonfilms im Kino durchqueren. Ein solcher Versuch soll hier unternommen werden mit der Versammlung verschiedener Anordnungen von Menschen, Dingen und Apparaten, in denen Hören und Sehen und eine Frage nach ihrer Gleichzeitigkeit vorkommen. Wenn zum Beispiel im experimentalpsychologischen Labor Wilhelm Wundts Wissen über die Wahrnehmung des Menschen produziert wird, heisst das Problem der Gleichzeitigkeit/Ungleichzeitigkeit von Sehen und Hören Komplikation. Wenn versucht wird, bewegte Bilder und Ton technisch zu koppeln, heisst es Synchronisation. Wenn filmtheoretischer Diskurs verhandelt, was nun mit diesem neuen Medium Tonfilm zu tun sei, heißt es Asynchronismus. Der These folgend, dass im 19. Jahrhundert die Sinne aufgeteilt werden, wird in diesen Anordnungen jeweils an irgendeiner Stelle Heterogenes gleichzeitig passieren. Aber an welcher Stelle eigentlich? Und was bedeutet diese Gleichzeitigkeit von Ungleichem, die audiovisuelle Objekte konstituiert?


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