imitatio & disegno geometrico. Inventionsbegriff und Planungsprozeß des römischen Architekten Carlo Fontana (1638-1714) und seiner Schule
Forschungsprojekt von Peter Heinrich Jahn
Seit langem schon ist erkannt, dass der päpstliche Architekt Carlo Fontana (1638-1714) als bedeutendster Schüler des berühmten Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) eine Schlüsselrolle bei der spätbarocken internationalen Ausbreitung der römischen Architektur einnahm, indem er zahlreiche ausländische Schüler ausbildete, darunter klangvolle Namen wie Johann Bernhard Fischer von Erlach (1656-1723), Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745) oder Filippo Juvarra (1678-1736), dass er außerdem die Autonomisierung des Architektenberufes in Richtung Professionalität vorantrieb, indem er ein großes, arbeitsteilig organisiertes Atelier unterhielt, quasi ein Vorläufer moderner Architekturbüros, dass er bei der zeichnerischen Visualisierung seiner Entwürfe die sachlich-objektive Orthogonalprojektion, von ihm als disegno geometrico bezeichnet, der suggestiven Perspektive vorzog, und dass er eine synthetisierende Entwurfsmethode praktizierte wie propagierte, welche, dem rhetorischen Prinzip der imitatio verpflichtet, auf dem Verschmelzen von Teilen beziehungsweise Motiven kanonisch gewordener antiker wie frühneuzeitlicher Architekturvorbilder basierte. Mit diesen Einsichten, die vier Kernpunkte von Carlo Fontanas architekturgeschichtlicher Bedeutung umreißen, hat sich die Forschung bislang auf eine unbefriedigend pauschalisierende Weise zufriedengegeben, sind doch weder das Funktionieren seiner Entwurfsmethode noch das seines orthogonalen Planungsverfahrens und die daraus sich ergebenden Zusammenhänge detailliert wie systematisch untersucht worden. Das am IKKM verfolgte Forschungsvorhaben will diese Lücke des Erkenntnisweges schließen helfen, um dadurch zu tieferen Einsichten hinsichtlich der praktischen Rolle der orthogonal projizierten Risszeichnung im Werkstattbetrieb zu gelangen. Besondere Berücksichtigung gilt dabei deren Medialität und diesbezüglich auch deren Handlungsmacht innerhalb eines Entwurfsprozesses, welcher normativ durch einen Vorbilderkanon determiniert ist.
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