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IKKM Lectures | Cranachstr. 47, Salon

30. June |  19:00   |  Christoph Asendorf (Frankfurt a.d. Oder)

Mies van der Rohes 20. Jahrhundert


Das Werk Mies van der Rohes wie auch seine Rezeption weisen eine Reihe von Brüchen auf, die das scheinbar so festgefügte Bild des heroischen Meisterarchitekten der Moderne immer wieder zweifelhaft werden lassen. So sah sich Herbert Muschamp angesichts zweier großer Ausstellungen im Jahr 2001 einem so irritierenden wie scheinbar neuen Mies gegenüber: »Rather than repackaging this great German modernist ... as a field marshal of reason, obsessed with compressing all of human existence into uniform three-dimensional grids, these two shows depict Mies as a supervisor of fantasy«. Doch ist ein gewisses Maß an Uneindeutigkeit dem Werk von Anfang an zueigen. Noch während er neoklassizistische Villen errichtet, etabliert er sich als radikaler Avantgardist. Auch das politische Spektrum seiner Auftraggeber ist weit. Konservative Kritik schmähte ihn als formlos, den neuen Avantgarden der fünfziger Jahre war er zu formalisiert. Während Mies in den sechziger Jahren mit seinen großen Hallen noch einmal zum Anreger aktueller Konzepte wird, erklärten ihn die Postmodernen für obsolet. Wenig später begannen Künstler und Architekten, den Mies einer »Liquid Modernity« zu entdecken. Das so streng und minimalistisch erscheinende Werk scheint offen für neue Einschreibungen.

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