Di 29. November 2011
CfP: Kinematographische Objekte II: Ding und Operation
Call for Papers
Kinematographische Objekte (II): Ding und Operation
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Internationale Tagung des Junior-Fellow-Programms »Theorie und Geschichte kinematographischer Objekte«, 11.–13. Juli 2012, Internationales Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie, Bauhaus-Universität Weimar.
In den letzten Jahren haben die Kulturwissenschaften, angeregt unter anderem durch Einsätze der Wissenschaftsforschung, der Sozialwissenschaften und der Ethnologie, die Dinge neu für sich entdeckt. Offen ist dabei geblieben, welchen Beitrag das Kino zum Denken der Dinge und Objekte leistet: Was machen die Dinge im und mit dem Kino? Und was stellt das Kino – und daran anschließend die Film- und Medientheorie – mit den existierenden Objekt- und Dingkonzepten an?
Filme sind Versammlungsorte der unterschiedlichsten Gegenstände: Koffer, Revolver, Autos, Duschvorhänge, Knochen, die sich im Sekundenbruchteil in Raumschiffe verwandeln und vieles mehr. Insofern diese Dinge im Kino auf eigentümliche Weise erscheinen, können sie kinematographische Objekte genannt werden. Die Komplexität des Kinematographischen Objekts liegt darin begründet, dass an seiner Konstitution stets mehrere, ineinander verschränkte Objekttypen beteiligt sind: (1) die Dinge im Film, (2) das Filmbild als seinerseits objekthafter materialer Träger und (3) die apparative und operative Verschaltung technischer Objekte wie Kamera, Mikrophon, Film, Projektor.
Kinematographische Objekte, so die Ausgangsüberlegung der Tagung, zeichnen sich durch spezifische Verhältnisse zwischen Ding und Operation aus. Durch technisch-mediale Verfahren werden aus eigens hergestellten Requisiten ebenso wie aus zufällig vor das Objektiv geratenen Artefakten die Dinge des Films. Gleichzeitig aber konstituieren und konfigurieren sich diese Dinge als Objekte mit spezifisch kinematographischen Qualitäten erst in den dem Kino eigenen Bild- und Zeitoperationen. Nirgendwo sonst bewegen sie sich, verwandeln ihre Form, tauchen auf und verschwinden sie wie in Zooms, Fahrten, Schwenks, Schnitten und Montagen. Nirgendwo sonst vergrößern und vereinzeln sie sich auf diese Weise in Großaufnahmen, verkleinern und gruppieren sich zu Ensembles in halbnahen Einstellungen, bilden Szenerien und Landschaften in den Totalen. Ebenso prägen die Dinge in der filmischen Diegese und Narration besondere Arten des Agierens aus, wenn sie Blicke ausrichten, Handlungen veranlassen, Charaktere auszeichnen und zwischen Protagonisten zirkulieren. Und nicht zuletzt scheint das Kino Routen vorzuzeichnen, entlang derer kinematographische Objekte ein-, aus- und weiterwandern, als Artefakte zu Erinnerungsstücken Filmophiler oder zu Exponaten in Filmmuseen werden, als ikonische Gesten, die sich um Revolver, Sonnenbrillen und Autos versammeln, als Bildmotive in der Kunst, als Archiv-Objekte oder Fetisch-Bilder.
Im Anschluss an den Workshop »Kinematographische Objekte« stellt die Tagung »Kinematographische Objekte (II): Ding und Operation« solche kinematographischen Verhältnisse zwischen Ding und Operation in den Mittelpunkt. Sie versucht, die Spezifik von Film und Kino näher zu bestimmen, indem einerseits – film- und medienwissenschaftlich – nach kinematographischen Operationen der Objektkonstitution sowie nach der Operativität von Objekten, Dingen oder Sachen im Film, und andererseits – interdisziplinär – nach den Transformationen, Bewegungen und Grenzüberschreitungen der Dinge zwischen dem Kino und anderen Feldern und Disziplinen wie Alltag, Kunst, Wissenschaft oder Politik gefragt wird.
Mögliche Fragestellungen sind dabei:
• Was haben historische Dingkonzepte der Filmtheorie und insbesondere des Stummfilms (Balazs, Epstein, Vertov) heute zur Frage des Kinematographischen Objekts beizutragen? In welcher Nähe oder Ferne operiert das Kinematographische Objekt zu zeitgenössischen Entwürfen wie z.B. Hans-Jörg Rheinbergers „epistemischem Ding“, Bruno Latours non-human actors oder Michel Serres’ Quasi-Objekt?
• Welcher ontologische und epistemische Status kennzeichnet die Dinge (Requisiten, „props“, Sets, etc.) im profilmischen Raum? Wie sind sie wissenschaftlich verhandelbar? Welche Zugriffe kann es auf diese Dinge geben (Produktionsnotizen, Gerüchte, Fotografien, Making-Of, etc.) und wie ist er geregelt (Filmmuseen, Privatsammlungen)?
• Wie sind die Auswirkungen von digitaler Bilderzeugung und -zirkulation auf die materiale Beschaffenheit des Kinematographischen Objekts zu beschreiben?
• Welche Übergänge bestimmter Objekt-Operations-Relationen und ihrer Konzeptualisierungen aus anderen Feldern in das Kino lassen sich nachzeichnen? Aus der Landschaftsmalerei in den Western? Von Donald Judds minimalistischen „specific objects“ zum Monolithen in Stanley Kubricks 2001?
• Was lässt sich anhand der Dinge aussagen über die Differenz zu anderen Medienpraktiken und Kunstformen? Was unterscheidet Requisiten (im Theater) von „props“ (im Kino)?
• Ist Kino möglicherweise besonders geeignet, die hybriden Objekte, die von Wissenschaftsforschern wie Donna Haraway (die Cyborg, die technisch und natürlich, zerlegtes und zusammengesetztes Selbst ist) problematisiert werden, zu verhandeln?
Formales:
Erbeten sind Vorträge mit einer Länge von maximal 30 bis 45 Minuten. Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch, Vorträge können in beiden Sprachen gehalten werden. Bei deutschsprachigen Beiträgen wird um ein Exposé in englischer Sprache gebeten. Angebote für Beiträge zur Tagung können bis zum 15. Januar 2012 per e-mail an volker.pantenburg (at) uni-weimar.de gesendet werden. Für ein blind review-Verfahren sind zwei Dokumente im PDF-Format einzureichen: eine Zusammenfassung des Vortragsvorhabens von maximal einer Seite Länge ohne weitere Angaben; ein zweites Dokument mit Namen, Anschrift und (falls vorhanden) Institutszugehörigkeit. Fragen können jederzeit an die Organisator_innen gerichtet werden.
Konzeption und Organisation: Junior Fellow-Programm »Theorie und Geschichte kinematographischer Objekte« am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie, IKKM Weimar, eine Einrichtung an der Bauhaus- Universität Weimar, gefördert durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung sowie den Freistaat Thüringen.